Am letzten Donnerstag war es endlich so weit. Nachdem wir im Unterricht bei Frau Feuerecker Papier geschöpft hatten und bei Frau Letzel gelernt hatten, worauf die Menschen früher schrieben, wer die Papierherstellung erfunden hatte, wie eine mittelalterliche Papierfabrik funktionierte, welche Papiersorten es gibt, wie eine moderne Papierfabrik funktioniert und welche Rohstoffe sie dazu braucht, rückten wir um kurz nach 8 Uhr im Teisnacher Werk "Pfleiderer Spezialpapiere". Wir wurden schon erwartert, denn Antonia und Michaela warteten mit ihrem Papa Karl Augustin auf uns. Herr Augustin arbeitet "beim Pfleiderer", seine Aufgabe ist es, das im bayerischen Wald hergestellte Papier in alle Welt zu verkaufen. Das ihm das offensichtlich gut gelingt, konnten wir am Schluss sehen.
Aber jetzt fangen wir erst einmal mit dem Anfang unserer Besichtigung an. Wir trafen uns im alten Saal des Verwaltungsgebäudes. Herr Augustin stellte uns an Hand eines alten Bildes den Firmengründer Herrn August Werner vor, einen mutigen Mann aus Berlin, der sich traute am Zusammenfluss von Regen und Teisnach vor rund 130 Jahren eine Papierfabrik zu gründen. Hier hatte er Wasserkraft und Holz, aber schlechte Verkehrswege und zunächst dem Neuen gegenüber sehr misstrauische Einwohner. Doch schon einige Jahre später lief die Fabrik und viele Menschen fanden Arbeit.
Heute stellt die Fabrik ganz anderes Papier her, Blumenseide zum Beispiel oder fettundurchlässiges Papier, welches für die Verpackung von Butter gebraucht wird. aber auch normale farbige Schreibpapiere und sogar schwer entlfammbare Luftschlangen. Lauter Spezialpapiere und wie die hergestellt wurden, konnten wir uns jetzt ganz genau ansehen. Damit wir Herrn Augustin in der lauten Fertigungshalle auch noch verstehen konnten, rüstete er die meisten Kinder mit Headsets aus, tolle Sache.
Dann marschierten wir los und gingen zuerst ins Rohstofflager. Hier gab es Zellstoff aus verschiedenen Ländern und Altpapier.
Der Gabelstapler bringt die schweren Zellstoffpakete zu einem Fließband. Dort wird der Zellstoff ausgepackt und anschließend mit Wasser vermischt zu einem der vier Pulper gebracht.
Wir durften die 4 m hochsteigen und mal einen Blick in so einen Pulper werfen. Wie in einer riesigen Küchenmaschine schaut das aus, nur wird Papierbrei gerührt und nicht Kuchenteig.
Durch Rohre schickt man den Stoffbrei in die Stoffzentrale. Hier wird der Zellstoff noch einmal nachbearbeitet und man fügt weitere Stoffe, auf dem Bild unten seht ihr zum Beispiel Farbstoffe, hinzu. Für die perfekte Dosierung sorgt der Computer.
Jetzt kommen wir zur Siebpartie. Vorher ist der Papierbrei durch den Stoffauflauf auf das Sieb aufgebracht worden. Das Sieb wird hin-und hergerüttelt, so dass sich die Fasern kreuz und quer übereinanderlegen.
Zu diesem Zeitpunkt enhält der Papierbrei 99,9 % Wasser, welches nun entfernt werden muss. Auf dem Bild unten sieht man gut, wie das Wasser nach unten abtropft und abgesaugt wird. Es kann wiederverwendet werden, genauso wie überflüssige Papiermasse wieder in den Pulper kommt.
Das entstandene Papierband wird anschließend mit Hilfe von Filzen gepresst. Anschließend läuft es zum ersten Mal frei und kommt in die Trockenpartie, eine Reihe Wasserdampf beheizter Zylinder um die das Band läuft. Am Ende der Trockenpartie enthält das Papier nur noch die normale Menge Restfeuchte.
Das Papier wird meist veredelt, das heißt es werden noch einmal Substanzen aufgebracht, in diesem Fall kommt die Schicht, die das Papier fettundurchlässig macht darauf. Dazu benötigt mal noch einmal Wasser. Nachher kommt die Papierbahn in eine zweite Trockenpartie. Das fertige Papier wird nun auf Fehler kontrolliert. Kameras erkennen beispielweise Löcher im Papier, welche hinterher automatisch herausgeschnitten werden können. Nach der Kontrolle wird das Papier auf große, schwere Tamboure aufgerollt. Dies geschieht in der Aufrollung.
Nun wird das fertig Papier noch auf die georderte Größe zugeschnitten und transportfertig verpackt. Auf dem Etikett könnt ihr lesen, wo dieses Papier hinkommt. Das Pfleiderer Papierwerk verkauft seine Papiere tatsächlich weltweit.